Gedanken und Schicksal
Oft sitze ich in einer Runde von Menschen und fühle mich fremd. Nicht weil ich diese Menschen nicht kenne – teilweise sind es Freunde von mir – aber irgendwie hab ich in diesen Momenten das Gefühl uns trennen Welten. Ich kann nichts mit ihrer Konversation anfangen, ziehe mich innerlich zurück und fühle mich auf einmal als würde ich nicht dazugehören.
Dieses Gefühl ist alles andere als angenehm weil man irgendwie die Verbundenheit sucht die einen sonst mit diesen Leuten verbindet – aber man kann sie nicht finden.
Dann hängt man seinen eigenen melancholischen Gedanken nach und wird immer betrübter bis man es nicht mehr aushält und am liebsten gehen würde. Schlimm ist es dann wenn man keine Möglichkeit hat sich zurückzuziehen und mit sich und den eigenen Gedanken allein zu sein. Wirklich schlimm wird es aber wenn man dann von den taktvollen Anwesenden gefragt wird „was ist denn los?“ entweder weiß man es selbst nicht oder weiß genau, dass es sowieso niemand versteht oder es zu weiteren unangenehmen Fragen kommen wird. Also sagt man, dass man müde sei oder nachdenklich oder betrunken oder sonst eine Standardantwort.
Im Prinzip weiß ich selber nicht wie es zu solchen Situationen kommt. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu viel nachdenke und mir auch viel zu viel zu Herzen nehme.
Nachdenken ist auch nicht immer so nützlich oder konstruktiv wie man meinen sollte. Teilweise übertreibt man es nämlich und malt sich jede kleine Eventualität genau aus oder noch schlimmer – wenn man es vielleicht ganz anders gemacht hätte! Deswegen fängt man irgendwann an jede Entscheidung tausende von Malen zu überdenken aus Angst eine (erneute?) Fehlentscheidung zu treffen, deswegen will man dieses Mal auf Nummer sicher gehen. Dann läuft man Gefahr vor lauter Überlegen nicht auf seine Intuition zu hören die einem in kleinen gedankenlosen Momenten die richtige Entscheidung wie eine Eingebung in den Kopf kommen lässt – ein kurzen Aufblitzen dieses Gedanken – aber sobald man anfängt diesen rational zu durchdenken wirkt er sinnlos und wird häufig abgetan weil es vom rationalen Standpunkt aus gesehen wahrscheinlich ist, dass es sich als eine Fehlentscheidung herausstellt. Aber genau dann merkt erst man wenn es zu spät ist, dass dieser intuitive Gedanke eigentlich die richtige Entscheidung gewesen wäre und ärgert sich noch mehr.
Oft kann man sich auch nicht von seinen Gedanken befreien und springt gedanklich von einem Thema zum nächsten und vernetzt alles miteinander – jedes Problem, jede Situation, alles was noch auf einen zukommen wird, alles was jemals gewesen ist. Das sind dann solche Augenblicke in denen man sich fühlt als würde es von allen Seiten auf einen zukommen, einen einengen, den Platz rauben, die Freiheit nehmen, einen nicht mehr atmen lassen und man möchte laut schreien weil man aus irgendeinem unbestimmten Grund das Gefühl hat so wieder Platz um sich zu schaffen und wieder frei atmen zu können. Sicherlich hätte jeder erstmal genug Platz um sich herum, denn die meisten Mitmenschen wären zunächst so geschockt über diesen Gefühlsausbruch, dass sie erst mal einen Schritt zurücktreten würden.
Aber wer tut das schon? Nicht das Zurücktreten – das Schreien! Kaum jemand! Man traut sich nämlich nicht. Aus Rücksicht, aus Scham, aus Angst – Angst davor für verrückt gehalten zu werden oder gemieden zu werden. Meist wird man dann zum Psychiater geschickt der einem Psychopharmaka verschreibt – aber die Probleme bleiben. Man bemerkt sie nur nicht solange man die Sinne-vernebelnden Medikamente nimmt.
Ähnlich verhält es sich mit Alkohol. Die einfachste Lösung wenn man sich deprimiert fühlt ist es sich zu betrinken – aber das macht es nicht besser! Falls man es tatsächlich schafft für den einen Abend, für diesen Rausch zu vergessen was einen quält, dann trifft einen die Erkenntnis spätestens am nächsten Tag mit voller Macht, weil man nach diesem kleinen körperlichen Entzug den man im Schlaf mitmacht nämlich ohnehin etwas down ist – und dann setzt der Gedankenapparat sich wieder in Bewegung und alles bricht wieder über einem zusammen.
Stellt sich die Frage, was denn nun die Lösung ist. Man muss lernen seine eigene Unsicherheit zu überwinden, man muss lernen es heilen zu lassen!
Die Menschen um einen herum verletzten einen nicht aus reiner Willkür und oft ohne es zu bemerken. Manchmal hilft es darüber zu sprechen, mit der Person selbst oder mit Freunden. Und wenn einem ein guter Freund oder eine gute Freundin sagt, was gut an einem ist, dann sollte man das annehmen, denn es kommt von Herzen und ist ernst gemeint! Ich glaube wenn wir lernen uns trösten zu lassen, dann sind wir einen großen Schritt in unserer persönlichen Entwicklung weitergekommen.
Zudem sollte man sich klarmachen, dass alles was einem passiert einen irgendwohin führen soll – nichts geschieht umsonst und schon gar nicht als Strafe sondern eher als Prüfung oder Vorbereitung auf etwas. Deswegen sollten wir uns nicht ewig mit dem „Wieso passiert mir das?“ herumschlagen sondern uns eher fragen „Wohin führt es mich?“. Alles was uns passiert hat einen Sinn, es passiert aus einem bestimmten Grund den man zwar meist erst später erkennt – aber es gibt ihn!
Es gibt eine Geschichte die sehr schön verdeutlicht was ich besonders mit dem letzten Abschnitt sagen möchte.