Beziehungen
“Drüber weg sein” Wann ist man eigentlich “drüber weg”? Die einen sagen, wenn man einen neuen Partner hat - oder wenn man den anderen nicht mehr vermisst - oder auch wenn man selber sagt es macht einem nichts mehr aus. Wer weiss vllt. definiert das ja jeder anders? Für meine Begriffe braucht man immer Jahre um “drüber weg” zu kommen. Mal ehrlich, wie lange denkt man noch zurück? Ärgert sich vielleicht über bestimmte Dinge die der andere getan hat und regt sich immer noch furchtbar darüber auf was der andere einem getan hat oder unterlassen hat oder sehnt sich vllt. auch nach bestimmten Dingen zurück. Das tut man auch wenn man schon in einer neuen Beziehung ist und seinen neuen Partner liebt. Über jemanden hinweg sein muss schließlich nicht nur bedeuten, dass man den anderen noch liebt oder vermisst oder ähnliches; viel mehr wenn es einen in irgendeiner Weise noch belastet obwohl es vorbei ist, vllt. schon lange. Es muss ja nicht heißen, dass man nicht im Stande ist eine neue Beziehung zu beginnen, nein, das kann im Gegenteil sogar hilfreich sein sobald man “das Schlimmste” überstanden hat und nicht mehr ausschließlich an den Ex-Partner denkt. Man lernt durch die Beziehung wieder neue Dinge, der innere Groll löst sich und ich finde, man lernt oft erst später manche Dinge zu verstehen oder zumindest zu verzeihen. Es gibt natürlich auch Extremsituationen in Beziehungen die es nicht erlauben diese irgendwann positiv zu bewerten (hier kann sich jetzt jeder selber seinen Teil denken), ich schätze über solche Beziehungen kommt man eben nie 100% hinweg - und das kann man dann keinem verübeln. Ich glaube man ist erst dann wirklich im Stande zu sagen, dass man darüber hinweg ist, wenn man fähig ist dem anderen zu begegnen, sich normal mit ihm zu unterhalten wie mit einem alten Bekannten, man sich für ihn freuen kann wenn er etwas erreicht hat und man sich einfach zurückerinnert an eine schöne Zeit, die man aber eben hinter sich gelassen hat - ohne irgendwelche Schuldzuweisungen oder hasserfüllte Bemerkungen für den anderen zu haben. Es ist doch so, dass uns jede Beziehung in irgendeiner Hinsicht prägt. Seien es positive oder negative Erfahrungen, unser Musikgeschmack, unser Horizont der sich erweitert, weil man neue Standpunkte und Ansichten durch den Partner und dessen Freundeskreis kennenlernt. Dinge die man lernt, da ja jeder Mensch andere Dinge weiß und dem anderen davon erzählen kann… Ein wirklicher Schritt für sich selbst ist es wenn man über das was schief gelaufen ist hinwegsehen und ehrlich sagen kann “Danke - du hast mein Leben bereichert”. Muss man dem ehemaligen Partner ja nicht persönlich sagen - aber wenn man in seinen Erinnerungen kramt und jede Negation beseite wischen kann - dann hat man es wirklich verarbeitet.