Loslassen?

Immer wieder wird das Thema Stress bzw. Entspannung diskutiert. Jeder hat Stress, jeder zweite einen Burn-out und jeder dritte davon einen Nervenzusammenbruch - so oder so ähnlich zumindest. Es wird auch massig dagegen angeboten. Angefangen bei Sport um das überschüssige Adrenalin abzubauen, weiter über sämtliche Entspannungstechniken wie Tai Chi, Autogenes Training, Yoga und Meditation. Man kann sich auch passiv entspannen bei Massagen, Klassik, einem guten Buch, Tee trinken - das ist ja alles schön und gut - entsprechend unserer Überflussgesellschaft ist auch die Überreizung an Entspannungsmöglichkeiten geboten. Und wenn die Leute dann dazu kommen, können sie sich nicht fallen lassen. Tja und nun?!
Was nützt einem ein privater Yoga-Trainer oder überteuerte Zen-Räucherstäbchen mit elends teurem Yin-Yang-Relax-Tee wenn im Kopf die Gedanken nun erst recht Karussell fahren da man zur Ruhe kommt?
Was sollen (wir) Leute tun, die jeden Abend die Unruhe überkommt wenn sie nach 9 Stunden Arbeit zu Hause sitzen und das erste Mal seit einem Monat mal NICHTS am Abend vorhaben? (O-M-G)
Kein Sport, keine Freunde treffen, kein sonstiger Termin? Selbst in der Mittagspause fängt man an unruhig zu werden sobald man länger als 15 Minuten ruhig sitzt.
Entspannung muss aus dem Menschen selber kommen.
In einem Projekt wurden Landwirte, welche ja 365 Tage im Jahr eingespannt sind, zu einer Woche Zwangsurlaub verdonnert; diese brauchten sage und schreibe eine ganze Woche um sich am Nichtstun erfreuen zu können! Es bedarf also einiger Selbst-Bearbeitung (ich meine mental!) - zunächst in Eigenregie um zu realisieren, dass Stress wat etabliert ist in unserem Umfeld, es jedoch kein erstrebenswerter Dauerzustand ist!
Entspannen ist mittlerweile eine Kunst für sich. Sich einfach mal zu zwingen aufs Bett zu liegen, ruhige Musik zu hören und dabei die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Ist das erst mal (natürlich nach gewisser Zeit und ausreichend Geduld) geschafft… kann man auch getrost die Blutdrucksenker und Schlaftabletten wieder absetzen.
Und wenn nicht sollte man sich eventuell Gedanken über “professionelle Hilfe” machen. an dieser Stelle verweise ich wieder vertrauensvoll an unsere Überflussgesellschaft.

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