Du sollst dir kein Bildnis machen …

Heißt es in den 10 Geboten - jedoch in Bezug auf Gott. Dass dieses Gebot jedoch auch auf uns und unsere Mitmenschen anzuwenden ist - zumindest sein kann - habe ich ein wenig zu belegen versucht. Natürlich versuchen wir stets unsere Mitmenschen und die die wir lieben zu ergründen, aber kann es nicht auch sein, dass genau dieses zu tiefe ergründen wollen des Seelenlebens anderer oder der Wunsch uns selbst zu analysieren ein Schuss nach hinten sein kann und wir genau das Gegenteil von dem erreichen was wir uns erhofft hatten?

(Was ein paar Tage krank sein an Kreativität wecken können ist faszinierend, oder?)

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Bildnis

Eigentlich ein Satzfragment aus den 10 Geboten, wurde es in einem Buch verwendet welches ich vor Jahren gelesen habe. Dort war der Zusammenhang, dass man sich von Freunden und Partnern kein Bildnis machen soll. Aber wie weit oder eben nicht weit soll das gehen? Sicher ist nicht gemeint, dass man blindlings auf jeden Menschen zugehen soll. Es ist immer gesund zu hinterfragen, zu wissen wie ein Mensch ist und wie er anzugehen ist. Gerade in einer Partnerschaft gehört es natürlich irgendwie dazu den anderen nie gänzlich zu ergründen. Wieso? Zum einen gehört sicherlich ein gewisser Reiz dazu; lernt man einen Menschen kennen ist man ja zunächst bestrebt mehr über ihn zu wissen, am besten alles. Ob man je dahinter steigt ist eine andere Frage. Zum anderen sind die Abgründe der menschlichen Seele tief – bei jedem! Und trotz aller Vertrautheit und jeder rationellen Erhabenheit über Augenwischerei gibt es immer Dinge die besser unausgesprochen, unbemerkt bleiben, über die man einfach nicht nachdenken oder genauer gesagt ihnen keine Bedeutung beimessen sollte wenn man die Beziehung weiterführen möchte. Francois Lelord sagt in seinem Buch „Hectors Reise“, dass Glück oft bedeutet etwas nicht zu wissen… Oft sind diese Dinge gar nicht wichtig, könnten vom anderen falsch verstanden werden, gehören schlichtweg der Vergangenheit an oder waren schon immer zu kategorisieren unter „warum hab ich das eigentlich gemacht?“ – derartiges sollte nicht zwischen den Menschen stehen. Zuviel Wissen kann im Endeffekt genauso das Bild verzerren wie zuwenig Wissen. Aber auch wenn man dem Partner das Zugeständnis von Geheimnissen, Freiheit und Privatsphäre macht sollte man trotz allem nicht einfach Dinge ausblenden die man eben nicht sehen will obwohl sie da sind – unleugbar. Es wichtig zu unterscheiden was eine Tatsache ist, was man als solche haben möchte oder als solche ignorieren will. Sich Dinge schönzureden ist schätzungsweise noch schlimmer als etwas über zu bewerten. Reagiert man über so kann man seine Meinung meist noch mal revidieren, seinen Fehler eingestehen und das ganze lässt sich relativieren. Redet man sich lange Zeit etwas schön kann es sei, dass man falsche Entscheidungen trifft – die einen mehr die anderen weniger schwerwiegend. Es ist natürlich immer eine Gratwanderung zu unterscheiden wie relevant oder irrelevant ein Umstand für eine zwischenmenschliche Beziehung ist und da lässt sich auch nicht eine mit der anderen vergleichen, da es immer andere Menschen sind, jede Situation irgendwie ein wenig anders. Wenn es einem selber an einer gewissen Objektivität mangelt kann man natürlich auch Freunde oder anderen Personen seines Vertrauens zu Rate ziehen die das ganze mit einem gewissen Abstand betrachten. Entscheidungen muss allerdings jeder für sich treffen. Auch die Entscheidung wie detailliert das Bild sein soll welches man sich vom anderen macht.

Und selbst wenn man nun Eigenschaften entdeckt, sich diese im Bild welches man über die Person hat manifestiert haben, welche man nicht schätzt muss das nicht bedeutet, dass dieser Mensch in seiner Gesamtheit schlecht ist. Genauso wie man sich über andere Menschen „ein Bildnis macht“ sollte man dies auch von sich selber tun. Nicht um sich selbst zu kritisieren… denn das tun vermutlich andere schon zur Genüge. Man sollte versuchen sich selbst gegenüber konstruktiv zu sein, auch unter Einbezug anderer Meinungen (insofern sie subjektiv vorgetragen wurden). Selbstverständlich ist es nur natürlich, dass jeder seine „Entwicklungspotentiale“ hat - sprich seine Schwächen. Sowas ist dann kein Henkersurteil sondern man hat ja die Chance gewisse Dinge ein wenig in den Griff zu bekommen – Ungeduld, Aggressionen, Minderwertigkeitsgefühle… und es hilft einem oft auch andere nicht zu hart zu beurteilen, denn schließlich können wir nur deswegen Toleranz gegenüber anderen aufbauen, indem wir unsere eigenen Fehler erkennen und anerkennen und sehen, dass es nicht mit einer Handbewegung erledigt ist sondern nach der Selbsterkenntnis auch Zeit benötigt. Trotz allem sollte niemand je die Fähigkeit verlernen trotz allem die positiven Eigenschaften der Person weiter zu sehen und zu würdigen. Und ebenso sollte man mit sich selbst verfahren, denn wenn von allen Seiten immer nur Hiebe kommen, dann lässt die Motivation schnell nach die eigenen Schwächen etwas zu stärken. Man muss sich selbst Lob zu sprechen und auch anderen gegenüber ein Lob für etwas anbringen können, denn das ist die wirkliche Belohnung – ehrliche Anerkennung! So etwas bedeutet vielen Menschen sehr viel – mehr als, dass man mit ihnen einen Abend lang trinkt oder sonstiges – auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen, denn wer trägt sein Herz auf der Zunge wie ein Sprichwort sagt? Es gilt zu unterscheiden ob Menschen sagen was sie denken oder ob sie sagen was sie fühlen. Manchmal hat ein ausgesprochener Gedanke laut eine andere Bedeutung für die Zuhörer als für die aussprechende Person wenn ihr dieser Gedanke durch den Kopf geht. Damit könnten wir jetzt wieder bei Missverständnissen anfangen, so entstehen sie… und wie löst man sie? Man muss über die Dinge reden wenn man sich gekränkt oder ungerecht behandelt fühlt, sonst kann sich leicht etwas hochschaukeln was niemand so beabsichtigt hat – und wenn man dann diese falsch verstandenen Worte auf die Goldwaage legt hat man ein verzerrtes Bildnis von seinem Gegenüber…

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