20-something
Pubertät ist wenn die Eltern anfangen schwierig zu werden - und Erwachsen werden ist wenn das Leben anfängt schwierig zu werden. Die Pubertät ist wenn sich ein Mensch mit seinen Eltern auseinandersetzt, mit seiner Sexualität, und (normalerweise) beginnt sich mit dem anderen (oder auch eigenen) Geschlecht auseinander zu setzen. Viele Eindrücke, verzerrt durch unkontrollierte Hormonstöße, losgetretene “Emotionslawinen” denen sich der Jugendliche ausgesetzt sieht, was oft zu Konflikten und Ärger - meist mit den Eltern - führt.
Die darauffolgende Phase ist eigentlich noch viel komplizierter - für den Menschen selbst. Die Eltern sind jetzt eigentlich fein raus, müssen eventuell moralischen (und finanziellen) Beistand leisten und gut dosiert und wohl gemeint eigene Erfahrungen anbringen um den heranwachsenden Zögling vor dem Schlimmsten zu bewahren. In dieser Phase fängt bei vielen jungen Erwachsenen die Suche nach dem Selbst erst wirklich an. Wo steht man im Leben, was war, was ist, was kommt - und will man das so??? Selbstreflektion und Selbstverwirklichung treten in den Vordergrund, konkurrieren mit Gesellschaftsdruck sich einzuordnen, “den Zug nicht zu verpassen”. Hin und her gerissen zwischen Familiensinn, Fernweh und einem Gefühl von “da ist noch was anderes” muss man zwischen unendlich vielen Möglichkeiten abwägen. Dazu kommen Gefühle. Unleugbar war doch jeder schon verliebt, ist es, möchte jemanden bestimmten bei sich haben, ist vielleicht zwischen dem einen und dem anderen hin- und hergerissen, ist vielleicht in einer Bindung die für immer halten kann und denkt sich “war es das schon? gibt es mehr? gibt es was besseres?” - und dieses Gefühl überfällt wiederum auch einige die schon früher mit arbeiten angefangen haben und sich nun denken “will ich den Rest meines Lebens so weitermachen?” - Dieses unterbewusste Weichenstellen von Karriere, Partnerschaft und eigener Persönlichkeit ist kompliziert, langwierig und miteinander verwoben. Ist man eventuell bereit Abstriche zu machen? Welchen Wert will man welchem bereich seines Lebens zuteilen? Welches dieser Bereiche ist man sich ernsthaft sicher? Will ich mit diesem Beruf weitermachen? Liebe ich diesen Menschen bzw könnte ich mir vorstellen, dass ich bei diesem Menschen bleiben will? Ist mir das Reisen wichtig oder will ich lieber für ein Jahr in einem bestimmten Land gelebt und gearbeitet haben? Was ist vereinbar, was erfordert Prioritätensetzung - in kaum einem Lebensabschnitt sind Entscheidungen so sehr mit Nachwirkungen und Unsicherheit verbunden wie diesem - Leben als 20-something.