- Die Adoleszenz (v. lat: adolescere = heranwachsen) ist das Übergangsstadium in der Entwicklung des Menschen von Kindheit (Pubertät) hin zum vollen Erwachsensein und stellt den Zeitabschnitt dar, während dessen eine Person biologisch ein Erwachsener ist, aber emotional und sozial noch nicht vollends gereift ist.
Das hat Wikipedia zu diesem Wort gefunden… aber eigentlich steckt viel mehr dahinter. Man könnte meinen die Pubertät sei die schwierigste Phase… meine persönliche Meinung ist, dass es die Phase danach ist – wenn man als erwachsen betrachtet wird und es wohl auch sein sollte, aber sich irgendwie nicht mit dem typischen Bild, welches uns unsere Gesellschaft für Erwachsene vorgibt, identifizieren kann.
Man fängt an sich mit sich selbst auseinander zu setzen, mit seinen Beziehungen – zu den Eltern, Verwandten, Freunden, aktuellen und ehemaligen Partnern. Das alles wird anders. Man sucht nicht mehr das gleiche in den Zwischenmenschlichen Beziehungen wie noch vor 5 Jahren. Früher wollte man sich vielleicht cool fühlen, akzeptiert (nun gut das bleibt!), man wollte Party machen und Scheiße bauen. Heute achtet man auf andere Dinge. Freunde sollen verlässlich sein, für einen da, loyal und tolerant. Beziehungen ändern sich, man richtet sein Augenmerk auf andere Dinge, da muss heute nicht mehr das Outfit und die Coolness stimmen, sondern dass der Charakter passt und die Beziehung Zukunft hat. Insgesamt wird man vernünftiger, man schleppt seine zum Scheitern verurteilte Beziehung nicht mehr Ewigkeiten mit sich herum, es geht da auch nicht mehr um Schuldzuweisungen, sondern das Erkennen was genau nicht funktioniert hat um quasi etwas über sich herauszufinden – und für weitere Versuche zu wissen worauf man sich besser gar nicht erst einlassen sollte…
Irgendwie ist diese Lebensphase manchmal so verstörend, verwirrend, kräftezehrend – man ist auf der Suche nach sich selber, sucht nach einem Sinn, schönen Momenten, noch mehr als früher nach Geborgenheit, Menschen die ähnlich denken und empfinden, man will mehr wissen, erleben, erfahren, die Welt sehen … FÜHLEN! Spüren, dass man am Leben ist – man will alles und zwar gleich. Irgendwie geht die Zeit schneller vorbei, aber die Entwicklung geht einem nicht schnell genug. Die Entwicklung zum wahren Selbst – wer bin ich (das ist die elementarste Frage), wo steh ich im Leben (da ist man sich wahrscheinlich mal mehr mal weniger sicher) und wo will ich hin? (Diese Frage ist für manche sicher diejenige, welche am schwierigsten mit Sicherheit zu beantworten ist – wenn man jedoch nicht weiß wer man ist, dann weiß man auch nicht welcher Weg der richtige ist!).
Was ich beispielsweise herausgefunden habe, ist, dass ich mich unvollständig fühle. Ich weiß da fehlt irgendetwas, ich weiß allerdings nicht was es ist. Eine Tätigkeit, eine Sache mit der ich mich beschäftige, eine Person - und falls es das sein sollte in welcher Hinsicht? Vermisse ich eine Freundschaft, suche ich eine ganz bestimmte die mir auf der emotionalen Ebene etwas geben kann was mir meine aktuellen nicht geben? Wobei das fast nicht sein kann, da ich so von grundauf verschiedene Menschen zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis zähle, dass ich alle wichtigen Gesprächsthemen und Konversationsebenen abegedeckt habe. Aber allein das Wissen darum, wieso ich nicht 100% glücklich bin ist ein Fortschritt - und irgendwo auf meinem Weg begegne ich der Anwort.
Ein sehr schöner Film über diese Phase des Lebens ist „Garden State“ – Drehbuch, Regie und männliche Hauptrolle: Zach Braff – vielen aus „Scrubs“ bekannt – ist aber eine ganz andere Liga in diesem Indie-Film. Es geht eben um die Adoleszenz, aufwachen, Selbstfindung, das Auseinandersetzen mit der Vergangenheit, den Eltern und dem neuen Weg den man sucht – das Leben als Twenty-Something. Überhaupt nicht Hollywood-Style, keine sinnbefreite Komödie, keine Satire im eigentlichen Sinn und keine kitschige Liebesgeschichte – einfach das Leben! Es passieren Dinge in diesem Film die jedem passieren könnten – andere sind so skurril aber könnten vielleicht doch passieren? Dazu kommt diese wunderschöne Filmmusik – ruhig, nachdenklich, melancholisch – unterstreicht den Film und ist auch für sich einfach wundervoll anzuhören.
Was beim Weg finden wichtig ist, außer zu wissen wer man selber ist, ist was man wirklich will – nicht, was einem irgendjemand einzureden versucht, was für andere gut sein mag, was am meisten Geld bringt. Der Weg dahin muss einen schon reizen! Man muss Ausdauer haben und sich vor Augen führen, dass der Weg das Ziel ist! Das Schlimmste ist wenn man sich mit Anfang 20 zwingen will jetzt, gleich, sofort den einen richtigen Weg zu finden und ihn so schnell wie möglich zurückzulegen – denn was macht man denn wenn das Ziel erreicht hat? Man sucht sich ein neues! Und dann fängt ja die ganze Misere von vorne an. Das Traurige ist, wenn man vor lauter „Dem-Ziel-Hinterher-Jagen“ vergisst zu leben (und vielleicht ist das zumindest eine Teillösung meines “Unvollständigkeits-Problems” - ich muss lernen im hier und jetzt zu leben und nicht alles an mir vorüberziehen lassen in der Hoffnugn schneller über die Zielgerade schießen zu können). Man muss davon loskommen sein Leben genau abzustecken wann was zu passieren hat. Klar sollte man nicht gänzlich planlos losrennen – eine ungefähre Ahnung ist zweifelsohne von Vorteil, was man erreichen will – aber es dauert so lange es dauert. Dürfte jedem schon aufgefallen sein – je genauer und detaillierter man etwas plant, desto mehr macht einem das Leben einen Strich durch die Rechnung und alles kommt ganz anders! Es ist auch völlig normal wenn man immer mal wieder seine Pläne ändert, schließlich muss man sich den Lebensumständen anpassen, es geht nicht nach „Schema F“ und ein Patentrezept gab es nie und wird es nie geben. Wir sind alle Improvisationskünstler in unserem Lebenswerk „Mein Selbst“. Es gibt die verschiedensten Einflüsse die uns bewegen etwas Neues hinzuzufügen, etwas Altes zu überdecken – es ist aber immer da! Was wir aber nie vergessen und verlernen sollten ist Vertrauen. In unsere Familie die uns gerade in dieser aufwühlenden Selbstfindungsphase unterstützt und unsere Freunde die zu einem großen Teil selber noch darin stecken und uns nachfühlen können. Niemand muss da allein durch und jeder sollte so vernünftig sein Hilfe anzunehmen, seine Entscheidungen jedoch nach eigenem Empfinden zu treffen.